Werte in Gesellschaft und Wirtschaft
Einmal andersrum: was bedeutet der Verlust von Werten für ein Unternehmen?
Werte werden meiner Meinung nach immer mehr zum Imagefaktor. Und sie können dabei auch das Negativ-Image eines Unternehmens prägen. Stichwort Stromkonzerne – sie fahren wunderbare Verdienste ein, mit die höchsten Gewinne der im Dax notierten Konzerne. Auf der anderen Seite haben wir Diskussionen um immer höherer Energiekosten oder Tarife, die von den Wirtschaftsministern der Bundesländer nicht mehr genehmigt werden. Zusätzlich müssen sie von der Bundesnetzagentur gemaßregelt werden für zu hohe Durchleitungsgebühren. Da passt etwas nicht zusammen. Und ich glaube, das hat im tiefsten Inneren auch etwas mit Werten zu tun. Der Stromkunde versteht das nicht mehr, und demzufolge wird zwangsweise ein Negativimage aufgebaut. Ein anderes Beispiel: der Allianz-Konzern verbucht das beste Netto-Konzernergebnis seiner Geschichte und will gleichzeitig Tausende seiner Mitarbeiter entlassen. Wie gesagt, da passt etwas nicht zusammen. Und es wird immer schwieriger für die Unternehmen, das nach draußen hin zu erklären. Ausbaden muss es letztendlich der freundliche Versicherungsvertreter im Außendienst, der im Gespräch mit Kunden Frage und Antwort stehen muss. Das impliziert dann auch das der Mitarbeiter nicht mehr stolz auf sein Unternehmen sein kann. Und ein Mitarbeiter der nicht mehr stolz auf sein Unternehmen sein kann, der ist vermutlich auch kein motivierter Mitarbeiter mehr. Motivation leitet sich aus den Unternehmenswerten ab, die im Einklang stehen müssen mit den eigenen Werten. Da schließt sich der Kreis. Alles eine Frage von Werten und Werteorientierung.
Glauben Sie, dass in Wirtschaft und Gesellschaft eine Rückbesinnung auf Werte möglich ist?
Ja, das glaube ich. In den letzten Jahren hat der Wirtschaftsstandort Deutschland zusehends an Boden verloren und ich glaube, dass hat viel mit Werten zu tun. Es hapert oft am Einbinden der Mitarbeiter, am Begeistern für eine gemeinsame Idee. Und das ist nicht nur ein Problem der Konzerne, sondern auch ein gesellschaftliches Problem. Nehmen wir beispielsweise das Thema Reformen in Deutschland. Gesundheitsreformen, Sozialabgaben, Steuererhöhungen – das tut weh. Und zwar vor allem deswegen, weil die Menschen nicht mehr wissen, wofür das Ganze gut sein soll. Politik versteht es meiner Meinung nach nicht mehr die Bürger zu begeistern und ihnen zu erklären warum diese Schritte notwendig sind. Heute reicht es einfach nicht mehr von leeren Kassen zu sprechen – das bekommen die Menschen schon seit Jahren zu hören – es müsste Motivation zum Mitmachen entfacht werden, es müssten Erklärungen gegeben werden. So ist es auch für uns Berichterstatter wichtig, Zusammenhänge zu erklären. Nur ist das nicht immer einfach, weil wir es manchmal selber nicht mehr verstehen oder nachvollziehen können.
Text: NEUNsight-live.de
Bildmaterial: ZDF
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