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Werte in Gesellschaft und Wirtschaft

Herr Bethmann, Sie sind Wirtschaftsmoderator beim ZDF Morgenmagazin. Denken sie früh morgens bei Arbeitsbeginn schon über Werte und Moral in Gesellschaft und Wirtschaft nach?

Ganz ehrlich, so früh morgens ist es erst einmal wichtig aus dem Bett zu kommen. Da stelle ich mir noch nicht wirklich die Sinnfragen des Lebens. Implizit denke ich allerdings schon über Werte nach. Zum Beispiel über Vertrauen. Das ist ein wichtiger Wert für mich und in einem „Schichtbetrieb“ wie dem Morgenmagazin besonders gewichtig. Man muss sich auf seine Kollegen verlassen können. Schließlich hält man selbst den Kopf dafür hin, wenn Informationen, die Kollegen recherchiert haben, nicht stimmen.

Verstehen Sie sich als Vorbild, welches auch Werte vermittelt?

Vielleicht nicht so sehr in meiner Eigenschaft als öffentliche Person, aber sicherlich als Journalist und vor allem als Mensch, der ja auch mit Werten aufgewachsen ist. Diese versuche ich in mein Arbeitsleben mit einzubringen. Werte geben mir und meinem Team Orientierung. Und zwar schon in der Vorbereitungsphase der Moderation. Durch Werte bekommen wir eine Vorstellung darüber welche Themen wichtig sind.

Wird Ihrer Meinung nach genügend auf Fragen der Ethik und der Werte im Sender geachtet?

Genügend ist natürlich immer relativ. Aber das ZDF macht da schon sehr viel. Es steht zum Beispiel für Werte wie Nachhaltigkeit – den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Mit dem Sendeformat ZDF–Umwelt sind wir außerdem die einzige Sendeanstalt die sich auch in der Berichterstattung Gedanken über Nachhaltigkeit macht. Das ZDF zeigt soziale Verantwortung durch die Unterstützung der Fernsehlotterie Aktion Mensch, SOS-Kinderderdörfer und ähnliche. Darüber hinaus kann ich als Mitarbeiter bestätigen, dass das ZDF ein sehr familienfreundliches Unternehmen ist. All das sind sehr wichtige Punkte, die viel über Werte und Werteorientierung aussagen.

Welche Rolle spielt zielorientierte Führung beim ZDF in der Vermittlung dieser Werte?

Ein ganz wichtiges Thema, welches, wirtschaftlich gesprochen, seit etwa 1-2 Jahren Konjunktur hat. Im Prinzip soll jungen Führungskräften nahe gebracht werden, sich mit den Mitarbeitern abzustimmen, in einem Gruppenprozess Ziele zu vereinbaren – und den Unternehmenserfolg auch daran zu messen. Das Projekt befindet sich sicherlich noch in einem Stadium, in welchem noch verinnerlicht werden muss, was das überhaupt heißt. Aber es sind gute Ansätze.

Wie lässt sich in einem großen Sender, der ja viel mit der Meinungsbildung im Land zu tun hat, die Diskussion über Werte und Wertbildung führen?

Das ist natürlich nicht ganz einfach. Angefangen werden muss in den einzelnen Redaktionen und Verwaltungen, um es dann zu einem großen Ganzen zusammen zu führen. Werte müssen gelebt werden. Die verschiedenen Unternehmenskulturen in Mainz und Berlin leben unterschiedliche Werte. Und sowieso sind Werte etwas sehr individuelles. Allerdings kann ich aus meiner eigenen Erfahrung und aus dem Austausch mit Kollegen drei allgemein wichtige Werte nennen – Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit. Darüber hinaus leben wir als Journalisten den Wert der Meinungsfreiheit, weswegen es beim ZDF glücklicherweise selten zu Werte-Konflikten innerhalb der Redaktionen oder zwischen Redaktion und Rundfunkrat kommt.

Stichwort Wertemanagement: Wie wichtig ist es, dass sich die Mitarbeiter mit den Werten/dem Image des Unternehmens identifizieren?

Das ist ein ganz elementarer Punkt. Der Vorstand, Chef oder Intendant muss dabei die Werte des Unternehmens vorleben, nur dann ist er glaubwürdig. Der Prozess der Werte-Identifizierung ist dabei natürlich auch wechselseitig. Werte können einem Unternehmen nicht übergestülpt werden. Werte müssen zunächst innerhalb eines Unternehmens gelebt werden. Daraus ergibt sich dann ein Wertekatalog, ein Leitbild, hinter welchem Authentizität und Glaubwürdigkeit stehen. Die Wurzeln des Unternehmens, die Traditionen gestalten die Werte. Aber ein wichtiger Punkt ist auch, dass sich Werte verändern im Laufe der Zeit und von Generation zu Generation. Durch unterschiedliche Werte der – häufig älteren – Führungskräfte, und dem jungen Nachwuchs, fehlt meiner Generation der 25-45 jährigen dann auch oft die Unterstützung. Hier muss man dann zu einer Übereinstimmung kommen. Deswegen ist ja zielorientierte Führung wiederum so wichtig.

Beschränkt sich ihr Engagement für eine zielorientierte, wertebasierte Führung nur auf ihre journalistische Tätigkeit beim ZDF?

Ich engagiere mich auch in der „Initiative für Werte Bewusste Führung“. Diese Wertekommission setzt sich eben genau für diesen Führungsnachwuchs der 25-45 jährigen ein. Aber nicht nur Nachwuchskräfte aus Unternehmen, sondern auch aus Non-Profit-Organisationen wie der Kirche, sowie Selbständige engagieren sich hier. Die Initiative möchte vermitteln, dass der Ehrliche nicht der Dumme ist. Und das man davon profitiert, wenn man als Führungskraft Werte lebt – auch ökonomisch. Vor allem wichtig in diesem Zusammenhang sind die Werte Vertrauen und Glaubwürdigkeit in der täglichen Zusammenarbeit. Für mich bedeutet die Arbeit in der Initiative vor allem einen guten Austausch-Pool über das ZDF hinaus.

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