Emotionale Frischzellenkur
Eine »gesündere« Ansprache der Mitarbeiter kann Wunder wirken
„Psychologie spielt aber nicht nur eine Rolle bei der Auswahl der Mitarbeiter, sondern auch, wenn strategischen Themen über die Personalarbeit umgesetzt werden sollen und natürlich im täglichen Umgang zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern“, erklärt Arbeitgebervertreter Weickert. Erich Knülle, Gesundheitsmanager bei Ford, kann das an einem Beispiel aus seinem Unternehmen belegen: Der Autobauer litt unter hohem Krankenstand und mühte sich um ein bessere Arbeitsbedingungen. Zum einen passte er die Arbeitsplätze ergonomisch an, aber zusätzlich verordnete der Gesundheitsmanager dem Betrieb ein besseres Betriebsklima durch „die gesündere Ansprache der Mitarbeiter: Früher erstellten wir anhand der Atteste ein negatives Qualifikationsprofil und zählten auf, was bestimmte Mitarbeiter nicht mehr leisten konnten. Jetzt erfassen wir nur noch ihre Positivleistung und ihre Stärken.“ Der Effekt: Die Mannschaft fühlt sich jetzt wohler, geht freundlicher miteinander um und ist nicht mehr so häufig krank. Auch Klaus Schall, Personalleiter beim Sanitärhersteller Geberit, bekräftigt, dass sich mit ein wenig Psychologie viel bewirken lässt: Sein Haus legt Wert auf den „partnerschaftlichen Umgang mit Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten“ und sieht das als Grundlage für nachhaltige Unternehmensführung: „Wir wollen mit vitalen, lebensfreudigen und gesunden Mitarbeitern erfolgreich sein.“
Der richtige Mix bei den Belegschaften macht´s
Deshalb simuliert Geberit in seinem Werk eine ausgeglichene Gesellschaft: Mit einer möglichst „gemischten Mannschaft, bestehend aus verschiedenen Nationalitäten, mit einem ausgeglichenen Altersmix und deutlich höherem Frauenanteil“. Dass solche Konzepte funktionieren, behaupten auch Praktiker wie Stefan Ohletz von Volkswagen: „Es hat sich herausgestellt, dass altersgemischte Teams wichtig sind für das Arbeitsergebnis. Wenn dagegen nur 20jährige zusammenarbeiten, gibt das ungewöhnliche, atypische Sozialverhältnisse.“ Das belegen sogar Studien. Das bewusste Mixen von Teams nach Altersgruppen wirkt bei Mitarbeitern wie eine emotionale Frischzellenkur: Die Älteren können Wissen weitergeben, fühlen sich als Mentoren gebraucht und die Jungen freuen sich über ihren Status als kreative Dynamiker und können sich ein paar Handgriffe von den Erfahrenen abgucken. Das steigert die Motivation aller und sogar die Arbeitsqualität – die Psychologie wirkt.
Erst kommt die Unternehmenskultur und dann erst die Zahlen
Die Akademie-Studie aus Bad Harzburg schlägt in die gleiche Kerbe. Sie untersuchte, wie sich Mitarbeiter „Zur Leistung (ver)führen“ lassen: Nicht Entlohnung oder technische Ausstattung geben den Ausschlag, sondern zwischenmenschliche Faktoren. Was die Arbeit dagegen regelmäßig blockiert ist, wenn zu wenig kommuniziert wird, Anweisungen unklar sind oder Konflikte weder angesprochen noch ausgetragen werden. Das belegt, wie wichtig Team- und Beziehungsmanagement für die Unternehmensperformance ist. Wer die Leistung seiner Organisation nachhaltig steigern will, sollte also zuerst über die Unternehmenskultur nachdenken und dann erst über Zahlen und Bilanzen. Dabei spielt Psychologie auch eine Rolle, allerdings eine negative, beobachtet Weickert: „Das Arbeiten an Personal- und Unternehmenskultur zahlt sich nicht schnell aus. Es bedeutet eine gewisse Langfristigkeit des Handelns. Weil die aber ständig vom Tagesgeschäft und der Sorge um Aufträge und Liquidation überlagert wird, gehen die meisten sie nicht an. Was wir brauchen, sind mehr Freiräume, um wieder über Strategien nachzudenken.“
Text: NEUNsight-live.de
Bildmaterial: Fotolia
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