Emotionale Frischzellenkur
Es ist eine Illusion, dass Wirtschaft allein nach den Prinzipien der Ökonomie funktioniert. „50 Prozent der Wirtschaft sind Psychologie. Wirtschaft ist eine Veranstaltung von Menschen – nicht von Computern“, so hat es der ehemalige Bundesbankchef Alfred Herrhausen schon vor knapp 20 Jahren auf den Punkt gebracht. Seine Aussage hat Bestand, heute mehr denn je. Das wissen alle, die in Unternehmen arbeiten und das bestätigen auch Forscher, die das Zusammenarbeiten in Betrieben analysieren: Was Mitarbeiter am meisten motiviert und somit als oberster Leistungsbeschleuniger wirkt, sind die „weichen Faktoren“, belegte jüngst eine Studie der Akademie der Führungskräfte Bad Harzburg. Arbeitnehmer legen sich demnach am meisten für ihre Firma ins Zeug, wenn sie Spaß an der Arbeit haben und eigenständig agieren dürfen. Aber nicht alle Verantwortlichen in den Firmen handeln danach. Oft zum Leidwesen ihrer Angestellten und zum Schaden ihrer Unternehmen. Nur fällt das den wenigsten auf, denn das Tückische ist: Wer bei der Unternehmens- oder Personalführung psychologische Fehler macht, merkt die Auswirkungen erst nach Jahren. Und dann haben sich Ursache und Wirkung meist so weit voneinander entfernt, dass niemand so genau weiß, was eigentlich der Auslöser war. Deshalb mahnen Berater, bei der Organisationsentwicklung nicht nur die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes zu betrachten, sondern vor allem seinen Umgang mit den Menschen. Ihr Appell: Unternehmen sollten sich mehr um die Personalarbeit kümmern.
Lohnt es sich, sich um die Mitarbeiter zu kümmern?
„Bisher wird die Personalabteilung oft nur als Kostenfaktor wahrgenommen“, kritisiert Sven Weickert, Geschäftsführer des Instituts für Personalmanagement. „Administration, Aus- und Weiterbildung, all das verschlingt Geld. Aber so langsam keimt auch die Frage: Ist das nicht auch eine Investition in die Zukunft, wenn wir uns um unsere Mitarbeiter kümmern?“ Ist es. Beispiele von Firmen, die schon weiterdenken und sich entwickeln, ohne sofort auf die eine kurzfristige Kosten-Nutzen-Rechnung zu schielen, belegen das. Es fängt schon bei der Einstellung an: In großen Unternehmen sind Auswahlverfahren an der Tagesordnung, die nicht nur die fachliche Kompetenz eines Bewerbers testen, sondern auch dessen Charakter ausloten. Sie versetzen Bewerber in Rollenspiele und Extremsituationen, um zu sehen: Wie geht er mit anderen um, wie reagiert er unter Stress – gelingt es ihm, andere motivieren? „Die Einstellung von Bewerbern erfolgt zusehends über den Faktor Sozialkompetenz, und zwar nicht nur bei Großunternehmen, sondern auch bei kleinen und Mittelständlern“, beobachtet Petra Schubert, Mitglied der Geschäftsführung der Managementberatung Kienbaum. Überzeugungskraft, Belastbarkeit und Motivationsfähigkeit, „bisher war das noch nicht ganz so entscheidend“, sagt Schubert. Da hofften Unternehmen, dass Bewerber mit guten Noten das automatisch zeigen würden. Heute testen sie es vorher ab. Denn sie wissen, wie teuer es ist, wenn Mitarbeiter nach kurzer Zeit wieder das Unternehmen verlassen, weil sie sich überfordert fühlen, nicht die gewünschte Leistung bringen oder einfach nicht ins Team passen.
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