Großes Potential jenseits der Grenze
Deutschland hatte über Jahre hinweg den inoffiziellen Titel des Exportweltmeisters inne. Tatsächlich ist die deutsche Wirtschaft wie kaum eine andere in den Welthandel eingebunden. Nach Angaben der KfW (2008, S. 47) hat der deutsche Außenhandel zwischen 2000 und 2008 fast drei Viertel des volkswirtschaftlichen Wachstums beigetragen. Damit war fast jeder vierte Arbeitsplatz direkt oder indirekt vom Export abhängig.
KMU in kleinen Märkten engagieren sich stärker im Ausland
Doch während 81% der großen Unternehmen exportieren, ist die Zahl bei den kleinen und mittleren Unternehmen noch deutlich geringer. Deutsche Bank Research (2009, S. 3) beziffert den Exportanteil der deutschen KMU auf Basis der Umsatzsteuerstatistik auf 11% während die KfW (2008, S. 51) die europäischen Auslandsumsätze auf Basis ihrer Befragung bereits mit 21% und die außereuropäischen mit 7% angibt.
In Europa sieht die Verteilung noch differenzierter aus. Im Durchschnitt exportieren nur 8% der europäischen KMU, doch haben Unternehmen in kleinen offenen Märkten höhere Exportanteile (Estland 23%, Slowenien 21%, Finnland 19%, Dänemark 17%), während laut IAT (2009, S. 4) in den großen Märkten die Exportneigung von KMU deutlich geringer ist (Italien 7%, Polen 7%, Frankreich 6%, Spanien 3%).
Auslandsaktive deutsche Mittelständler exportieren zu 69% eigene Produkte, 42% kaufen im Ausland ein, 15% der KMU haben eine Vertriebsniederlassung im Ausland, 5% gehen mit ausländischen Partnern Joint Ventures ein, nur 4% haben eigene Tochterfirmen und weitere 4% vergeben Lizenzen und Franchises (KfW 2008, S. 48).
Ein interessanter Vergleich lohnt sich hier mit der kleinen Schweiz, in der auch nur etwa 10% der KMU international tätig sind. Allerdings beziehen hier 83% der auslandsaktiven KMU Waren aus dem Ausland, 61% liefern Erzeugnisse an ausländische Kunden, 22% besitzen eigene Vertriebsniederlassungen,18% verfügen über Produktionsbetriebe im Ausland und 13% vergeben Lizenzen. (Lehmann 2002, S. 10). Das bedeutet, dass die Bereitschaft, eigene Vertriebs- und Produktionskapazitäten im Ausland zu bilden, von Anfang an sehr viel stärker ausgeprägt ist als bei uns.
Hinderungsgründe eher im eigenen Unternehmen
Was hält nun deutsche KMU davon ab, in ähnlicher Weise im Auslandsgeschäft zu agieren wie skandinavische und Schweizer KMU? Die größten Schwierigkeiten sieht der Mittelstand mit 17% in gesetzlichen und bürokratischen Hürden. Bereits an zweiter Stelle kommt ein eher interner Grund: 15% der Unternehmen halten sich nach eigener Einschätzung nicht geeignet zur Internationalisierung, weil ihr Geschäft und ihre Branche regional ausgerichtet sind. Etwa 14% der Unternehmen geben finanzielle Probleme an (Eigenkapitalausstattung, Fremdkapitalzugang, Zahlungsverhalten, Wechselkurs) und weitere 14% sehen Schwierigkeiten durch die Absatz- und Wettbewerbssituation. Danach folgen Unternehmensgröße (10%), mangelnde Sprach- und Kulturkenntnisse (10%) sowie mangelnde Kontakte im Ausland (8%) (KfW 2008, S 62).
Bei den bereits auslandsaktiven Unternehmen stellt sich die Sache etwas unterschiedlich dar. Hier ist häufig die Auswahl geeigneter Partner ein K.O.-Kriterium (64,5%), während die Marktbearbeitung (58,4%) und die Beschaffung verlässlicher Marktinformationen (57,5%) ein gelegentliches Hindernis sind. Dahinter treten Hemmnisse wie z.B. kulturelle Unterschiede und Sprache (40,4%), rechtliche Bedingungen, Verträge und Zölle (40,3%) sowie Anpassung von Produkten und Dienstleistungen an Markterfordernisse (39,6%) zurück. Vergleichsweise weniger problematisch werden Standards und Normen (31,7%) sowie die Beschaffung von qualifiziertem Personal im Ausland (29,8%) gesehen (IAT 2009, S. 6).
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