Zeit ist Wertschätzung, Bewusstsein und Ausdruck der Persönlichkeit
Das „Einsteinjahr“ liegt nun schon etwas zurück. Aber ich möchte hier daran erinnern, dass Albert Einstein, der große intellektuelle Wegbereiter unserer Zeit, in seiner „Allgemeinen Relativitätstheorie“ neben den drei bekannten Raumdimensionen, die Zeit als vierte Dimension definierte. Mehr noch: alle vier Dimensionen werden in einem Raum-Zeit-Kontinuum verschmolzen. Was liegt also näher, als sich mit dem Thema Zeit sowohl intellektuell als auch mit seiner schöngeistigen Umsetzung in einer Armbanduhr zu beschäftigen. Immerhin ist die traditionelle wie auch moderne Uhrmacherkunst Ausdruck einer tiefen Beziehung zwischen Mensch und Zeit.
Wenn Sie meine Frau fragen, wird sie allerdings sagen: Das Einsteinjahr ist nun vorbei, wir feiern das 150. Geburtsjahr von Sigmund Freud und der würde dich für verrückt erklären, wenn du mit einer 6.000 € Uhr nach Hause kommst. Aber zum Glück ist das ein fiktives Gespräch, denn ich werde sie nie fragen…
Was sagen die Zahlen?
Warum sind also speziell Männer von diesen immer mehr am Markt erscheinenden und technisch immer aufwändigeren mechanischen Armbanduhren so besessen? Männer können sich in Technik verlieben und Männer sind verspielt, besonders in raffinierte Mechanik. Männer lassen sich von raffinierter Mechanik schnell faszinieren, besonders wenn sie höchste Präzision erzielt. Männer, die gerne ästhetische Gegenstände – sprich Schmuck – tragen, haben keine große Auswahl. Mechanische Armbanduhren, besonders wenn sie noch als Accessoire höchsten Status artikulieren, verbinden all diese Attribute in geradezu idealer Symbiose. Männer sind vor der Eitelkeit keineswegs gefeit.
Immerhin sprechen die Erfolge der Hersteller eine klare Sprache: Die Schweizer Hersteller von Luxusuhren erzielten 2004 und 2005 im Export Rekordumsätze. Diese stiegen gleich zweistellig: erst um 13 % dann um 18 %. Der Exportumsatz lag 2005 bei 2,1 Milliarden Euro. Das ist wahrlich nicht wenig. Die Schweiz stellt mit seiner großen Anzahl von Uhrenmarkenherstellern natürlich das Hauptvolumen aller Uhrenproduzenten dar. Andere Länder, vor allem Deutschland, zogen in den letzten 10 bis 15 Jahren mit einschlägigen Luxusmarken nach. Aber es kommen auch neue Hersteller aus den Ostblockstaaten und Japan hinzu. Speziell Russland, die ihre alten Produktionsstätten von der Fabrik zum neuen Luxusartikelhersteller umbauen. Aus Japan kommen bekannte Hersteller wie Seiko mit hochpreisigen mechanischen Uhren an den Markt. Die Hauptexporte für Luxusuhren gehen nach den USA und Hongkong, gefolgt von Japan und Europa.
Die dominierenden Schweizer Firmen konnten dank der Nachfrage in den letzten Jahren deutliche Preissteigerungen durchsetzen. Luxusgüter boomen! Ein Beispiel: 1990 kostete eine Rolex Submariner noch ca. 2100,-€, heute ca. 3700,-€. Rolex, als größte Einzelmarke produziert täglich ca. 2000 Uhren und setzt geschätzte 1,5 Milliarden € jährlich um.
Dabei stellt Rolex als eine der wenigen selbstständigen Einzelfirmen (in der Rechtsform ist Rolex eine Stiftung) eine Ausnahme dar. Die meisten Uhrenmarken sind mittlerweile in zwei Konzernen organisiert. Das ist die Swatch Group, unter anderem mit den Marken Glashütte Original, Omega, Breguet, Blancpain und Longines. Im zweiten Konzern, der Richmond Gruppe, finden sich u.a. Lange & Söhne, Vacheron Constantin, Jaeger-LeCoultre, Baume&Mercier und Piaget.
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