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Balance statt Burn-Out

Wer Leben und Arbeit in eine gesunde Balance bringen will, hat es schwer in Deutschland. Müde Helden sind in.

„Ausgebrannt“ fühlte sich Fußballtrainer Jürgen Klinsmann, nachdem er sich angestrengt hatte für Deutschland. Die Öffentlichkeit reagierte mit Bewunderung. Wer so erschöpft ist, hat Großes geleistet.

Müssen Helden müde sein? Vermeintlich: Ja. Stessbedingte Müdigkeit bis hin zum „Burn-Out“, Bandscheibenvorfall und Herzinfarkt ge­hören hierzulande zum guten Ton. Manager und Angestellte schmücken sich damit wie mit einer teuren Uhr.

Dabei schaden sie nicht nur sich selbst, sondern auch der Wirtschaft: Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, das Stress am Arbeitsplatz und die damit verbundenen psychisch bedingten Gesundheitsprobleme allein in Europa jedes Jahr zwischen drei und vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts kosten – das sind 265 Milliarden Euro.

Warum sich niemand beschwert? Ein auf Arbeit fokussiertes Leben gilt in allen Industrieländern als grundsätzlich gut. Nach dem Motto „ein erfolgreicher Ernährer ist auch ein guter Ehemann und Vater“ konzentrieren sich vor allem Männer einseitig auf den beruflichen Erfolg, erklärt Hans-Peter Blossfeld, Professor für Soziologie an der Universität Bamberg.

Manager mit ausgeglichener Work-Life-Balance fühlen sich erfolgreicher im Job

Wer „Work“ und „Life“ in eine gesunde Balance bringt, lebt nicht nur besser, er arbeitet auch erfolgreicher. Das zeigt eine Umfrage des US-amerikanischen „Families and Work Institute“ (FWI) unter Führungskräften in zehn multinationalen Unternehmen: „Die Menschen, die ihrer Arbeit und ihrem Familienleben die gleiche Priorität einräumen – die ‚duozentrisch’ leben – fühlen sich in ihrem Beruf am erfolgreichsten“, unterstreicht Autorin Ellen Galinsky.

Am besten funktioniert dieses Doppelkonzept, wenn Manager und Mitarbeiter eine positive Einstellung zu beiden Lebensbereichen pflegen. Und wenn sie unter Rahmenbedingungen arbeiten, die eine Balance von Arbeit und Leben fördern. Diesen Vorteil haben momentan nur wenige. Um so wichtiger ist es, dass Helden einen wachen Blick dafür entwickeln, wie müde sie eigentlich sind.

Burn-Out muss nicht sein

Wer die Grenzen seiner psychischen und körperlichen Belastungsfähigkeit über einen langen Zeitraum hinweg überschreitet, riskiert andauernde Erschöpfung. Laut Dr. med. Manfred Nelting, Burn-Out-Experte in der Bonner Fachklinik für Psychosomatische Medizin und Traditionelle Chinesische Medizin „Gezeiten Haus“, kündigt sich das „Ausbrennen“ zum Beispiel durch folgende Symptome an:

  • Sie haben das Gefühl, dass Ihnen alles zuviel wird
  • Sie sind gereizter als früher
  • Ihre Arbeit macht Ihnen keine Freude mehr
  • Für Freizeitaktivitäten fühlen Sie sich zu erschöpft
  • Aus Ihrem Freundeskreis ziehen Sie sich immer mehr zurück
  • Sie greifen häufiger zu Alkohol, Schlaf- oder Beruhigungsmitteln
  • Sie leiden unter Schlafstörungen
  • Pausen empfinden Sie als Zeitverschwendung
  • Sie haben das Gefühl, alles sei sinnlos
  • Innerlich fühlen Sie sich leer

Wenn Sie mehr über Ihre eigene Burn-Out-Gefährdung wissen möchten, finden Sie einen Test unter www.gezeitenhaus.de

Text: NEUNsight-live.de
Bildmaterial: Fotolia

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