Doktortitel und Karriere
Andere Länder, andere Sitten
Dass die Karriere auch ohne akademischen Titel möglich ist, zeigt der Blick über den Atlantik. Dort lebt in New York Barbara Bierach, Wirtschaftsjournalistin und Buch-Autorin. Sie hat keinen Doktortitel und findet das manchmal schade. Aber: „Ich habe ihn nie gebraucht, und wenn ich ihn unbedingt wollte, dann könnte ich ihn noch immer machen“, sagt die 41-Jährige. Barbara Bierach kennt die wirtschaftliche Lage in Deutschland, Großbritannien und den USA. Ihre Einschätzung: „In Deutschland ist es sehr viel schwieriger als Frau Karriere zu machen. Aber vielleicht kommt den Frauen der Demografie-Faktor in den nächsten Jahren entgegen“, sagt sie. „Er könnte ein Anlass zum Umdenken in den Unternehmen sein, nicht nur für Männer. Den Unternehmen geht nämlich der Nachwuchs an Führungskräften aus, wenn sie auf die Hälfte des Talentpools verzichten“, sagt sie. Der Doktortitel spielt dann keine Rolle mehr. „Was zählt, ist dann alleine die Kompetenz – und der Wille zur Karriere“.
Kurz-Interview mit der Wirtschafts-Psychologin Sabine Gläser:
Rechnet es sich wirtschaftlich gesehen zu promovieren?
Nicht unbedingt. Erst bei beruflichem Erfolg, entsprechenden Netzwerken und einem Doktortitel, bekommt man im Laufe der Berufstätigkeit sehr hohe Positionen angeboten. Dann hat sich auch die Promotion wirtschaftlich gelohnt.
Kann man eine Doktorarbeit schreiben, während man schon im Arbeitsleben steckt?
Ja. Aber das Unternehmen muss den Arbeitnehmer unterstützen und ihm Zeit dazu geben. Recherche, Untersuchungen, Diskussionen, Absprachen mit dem Doktorvater und die schriftliche Ausgestaltung nehmen sehr viel Zeit in Anspruch.
Wie viel Zeit muss ich für die Promotion einplanen?
Unter Umständen Jahre. Viele Ergebnisse müssen wegen aktuelleren Informationen immer wieder neu bearbeitet werden. Das wirkt auf viele wie ein Fass ohne Boden. Man braucht sehr viel Durchhaltevermögen und emotionale Distanz, um nicht zu verzweifeln.
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