Doktortitel und Karriere
Immerhin 39 Prozent betrug bei den Promotionen laut Statistischem Bundesamt der Frauenanteil im Jahr 2004. Das entspricht 9030 Frauen mit Doktortitel. Damit ist der Anteil der Doktorinnen unter den Promovierenden seit 1991 um fast zehn Prozent gestiegen. Doch hilft er den Frauen dabei, in Karriere zu machen?
„’Wann kommt denn der Doktor Hauser?’, wurde ich einmal auf einer Veranstaltung gefragt, auf der ich einen Vortrag halten sollte. Das hat mich amüsiert“, erzählt Renate Hauser, promovierte Literaturwissenschaftlerin, die als Coach selbstständig ist und Privatpersonen und Unternehmen berät. „Heute kann ich darüber schmunzeln. Ich stehe schon lange im Berufsleben und habe mir ein Renommee erarbeitet“, sagt die 53-Jährige. „Aber ich weiß aus Berichten, dass es jüngere Frauen in einer männerdominierten Wirtschaftswelt nicht immer leicht haben. Da kann ein Doktortitel zumindest Respekt verschaffen“.
Diese Auffassung teilt Silke Jansen, promovierte Politikwissenschaftlerin und heute Pressesprecherin Deutschland beim Chemieunternehmen Lanxess. „Gerade ältere Männer machen es den jungen Frauen oft schwer“, sagt sie. „Doch je älter die Frauen werden, je mehr Berufserfahrung man hat, um so eher wird man akzeptiert. Frau hat sich dann ein Standing erarbeitet. Ein akademischer Titel kann dabei helfen – alleine weil er das Selbstbewusstsein stärkt“.
Beide Frauen würden ihre Promotion erneut schreiben. Renate Hauser sagt dazu: „Ich würde allerdings auch jetzt das Projekt so schnell wie möglich durchziehen und nicht Jahre damit zubringen wollen“. Und Silke Jansen sagt: „Man beweist damit, dass man ausdauernd arbeiten kann und lernt Zeitmanagement. Das sind Faktoren, die bei Arbeitgebern ankommen“.
Und manchmal samt Titel auch gefordert werden: Wer in die Wissenschaft geht oder auf Vorstandebene kommen möchte, erreicht diese Positionen selten ohne Promotion. Aus diesem Grund hat Kerstin Thurow nicht nur promoviert, sondern auch habilitiert: „Für mich wäre es nicht möglich gewesen, so schnell beruflich aufzusteigen“, erzählt die 36-Jährige. „Promovieren wollte ich schon immer. Die Habilitation habe ich unter anderem gemacht, um für eine Hochschulkarriere adäquate Chancen zu Männern zu haben“. Kerstin Thurow ist seit 2003 Mehrheitsgesellschafterin und Geschäftsführerin von Amplius, einem Unternehmen, das High-Tech-Lösungen für Chemie, Pharmazie und Biotechnologie anbietet. In dieser Funktion wurde sie von der Hansestadt Rostock zur Unternehmerin des Jahres 2005 gewählt. „Ich würde allen, die in Führungsfunktionen wollen, zum Doktortitel raten“, sagt sie. Das gelte auch für Industrieberufe – dann biete sich insbesondere an, über ein Thema zu schreiben, das mit dem Unternehmen zu tun habe. „So vermeidet man den Bruch im Lebenslauf“, erklärt sie.
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