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Exklusivinterview: Ein Umdenken ist notwendig!

Das soziale Ungleichgewicht schreitet weiter fort. Gerade in der Wirtschaftskrise zeigt sich, dass die Kluft zwischen Arm und Reich tiefer den je ist. Aber auch die allgemeine Ausrichtung der Unternehmen und die derzeit vorherrschende Wirtschaftsethik sind ein zentrales Thema der Diskussionen. NEUNsight Live sprach mit Dr. Philipp Daniel Merckle über den Wertewandel in Gesellschaft und Wirtschaft und die Ziele seiner Stiftung WORLD IN BALANCE sowie seines Unternehmens WORLD IN BALANCE ENTERPRISES.

Herr Dr. Merckle, ihre Stiftung setzt sich für einen grundlegenden Wertewandel im Miteinander auch im wirtschaftlichen Bereich ein. Was genau verstehen Sie unter einer werteorientierten unternehmerischen Gesellschaft?

Die Stiftung ist ein harmonisch gewachsenes Nebenprodukt meines eigentlichen Tuns. Unter einer werteorientierten unternehmerischen Gesellschaft verstehe ich die Erneuerung unserer unternehmerischen und aber auch bürgerlichen Gesellschaft. Wir müssen uns besinnen, worum es im Leben eigentlich geht, was wir eigentlich brauchen und wie der Erfolg der Zukunft aussehen kann: Quantität muss einer inhaltlichen Qualität langfristig weichen und dies auch in unseren verkaufbaren Produkten. Man will in Menschlichem und auch im Unternehmerischen einer Notwendigkeit begegnen und keiner Beliebigkeit.

Welche Rolle spielt die Orientierung an Werten für Sie persönlich und welche Werte sind für Sie grundlegend?

Grundlegend sind für mich die Frage nach Inhalt und Sinn und im unternehmerischen Handeln kaufmännische Tugenden wie Handschlagqualität, Wortgenauigkeit, Zuverlässigkeit, Handwerk und Präzision.

Wie sieht für Sie der Idealfall einer wertorientierten Führung aus?

Der Idealfall ist das Vorbild nach einem persönlich überdachten und allgemeingültigen Manifest. Ein Fundament aus geordneter oder überlebter Herkunft, Bildung, Integrität und Fantasie.

Haben deutsche Unternehmen und ihre Führungskräfte aus der Wirtschaftskrise gelernt und sind erste Veränderungen im Führungskräfteverhalten sichtbar?

Man hat nicht mehr gelernt, als dass man gerade nochmal davon gekommen ist und sich im Wesentlichen noch nicht ausreichend viel ändern muss, um neu anzufangen. Das gilt für das Grobgerüst der Großkonzerne und es gilt auch für den einen oder anderen Drückeberger. Ich spüre aber ganz genau, dass darunter eine Basis wächst aus Kreativen und Nachdenklichen, die mit aller Kraft des Guten die überkommenen Systeme aufbrechen werden. Das ist ein schmerzlicher Prozess und er kann noch dauern – aber er ist absolute Zukunft.

Umreißen Sie bitte kurz den Ansatzpunkt von “World in Balance” in diesem Bereich.

WORLD IN BALANCE ENTERPRISES, das Unternehmen, das ich leite und dem die Stiftung angehängt ist, will im Konkreten und vorzeigbar im Neuen ansetzen. Wir machen Conzepte für eine neue unternehmerische und gesellschaftliche Zukunft. Ich lasse allerorten „Conzept“ schreiben, weil es vom lateinischen „Con“, also vom Miteinander kommt. Der zweite Teil des Wortes steht für die Umsetzung durch wirklich inhaltlich gefüllte Macht. Die Stammfirma sitzt in Neu-Ulm, wir reisen aber sehr viel und gehen gezielt Projekte an. Wir richten uns aus an Deregulierung, sehr konkretem Handeln und an revolutionären Ideen, die Bodenhaftung haben. Ich habe ein exzellentes Team von Handwerkern und Kreativen, die mich unterstützen und meine Ideen umsetzen.

Mit welchen Aktionen und Touren wollen Sie noch mehr Bewusstsein für eine werteorientierte Führung und einen damit einhergehenden Wertewandel schaffen?

Die Zeit der Tourneen ist vorbei. Ich habe nun in Österreich angefangen, über die Diskussion hinaus konkret umzugestalten und umzusetzen. Die Tourneen waren allerdings sehr wichtig für die breite Diskussion und sie haben auch sehr viel gebracht. Gezielt werden wir am Wörthersee aber für die breite Öffentlichkeit Veranstaltungen machen, die inhaltlich über den Umfang der Tourneen hinausgehen.

Sie betonen den Vorbildcharakter – auch in Bezug auf Führungskräfte. Was macht für Sie eine gute Führungskraft aus?

Dass sich die Führungskraft messen lässt an den eigenen Ansprüchen. Dass sie viel nachgedacht hat, viel kann und Wahrhaftigkeit ausstrahlt. Darüber hinaus bin ich ein Freund von alltäglich gelebter Eleganz und Liebenswürdigkeit und ich denke überhaupt, dass die Vorbildfunktion mehr ist als die Bezeichnung „CEO“.

Führen heißt auch Fordern. Wie können Führungskräfte diesen Balanceakt zwischen Identifikation mit dem Unternehmen und der Forderung nach Leistung bewältigen?

Indem sie zuerst einmal nachdenken und zwar gründlich. Indem sie bereit sind, scheinbare Tabus wie Überregulierung, Systemhörigkeit und unpraktikablen Aufwand zu überdenken. Indem sie, durchaus auch länger und nicht nur für einen Tag, Konflikte aushalten können und für wirklich neue Ideen stehen, die sie sich begründet und ehrlich vorgenommen haben, nach reiflicher Überlegung in der Sache. Überdies muss man immer die Menschen gewinnen und das geht nicht mit blödem Konfirmismus, der nur nach Absolvierung und Scheinrechnungen strebt.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich auch für ihre Stiftung an Veränderungen in der Gesellschaft und in der Wirtschaft wünschen?

Noch einmal: Die Stiftung ist meinem grundsätzlichen Handeln als Förderinstrument angehängt; die Umgestaltung in den Herzen der viel zu laut brüllenden Löwen ist wesentlich wichtiger. Wenn ich also nur einen Wunsch hätte, dann wäre es der, die Herzen aller Raubtiere, großer wie kleiner, zu erreichen.

Vielen Dank für das Interview.

Weitere Informationen zu Dr. Philipp Daniel Merckle und WORLD IN BALANCE ENTERPRISES erhalten Sie unter www.world-in-balance.de.
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