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„Macht ist kein Privileg der Mächtigen“

Dr. Jan Hofer erforscht die Motive der Macht. An der Universität Osnabrück befindet sich einer der ganz wenigen Lehrstühle, der sich mit dem Thema Macht in verschiedenen Kulturen befasst. Unserer Redaktion stand er Rede und Antwort.

Anke Brillen sprach mit dem Dr. phil und Dipl. Psychologen Jan Hofer

Herr Dr. Hofer, bitte definieren Sie das Wort Macht.

Macht ist das Bedürfnis, Einfluss auf das Verhalten und die Emotionen anderer sowie ein Interesse an Status und Prestige zu haben. Das Streben nach Macht ist angeboren und hat seine Ursache in der menschlichen Evolutionsgeschichte: Die Motivation eigene Interessen zu vertreten und andere Menschen zu beeinflussen sicherte das Überleben.

Sie erforschen die Motive der Macht. Wie gehen Sie dabei vor?

Es gibt bewusste und unbewusste Machtmotive. Uns interessieren vor allem die unbewussten Motive. Dazu zeigen wir den Probanden für einige Sekunden Karten mit Bildmotiven und lassen sie dazu Phantasiegeschichten erzählen. In der Datenauswertung finden sich die Indikatoren für das unbewusste Machtmotiv.

Sie erforschen außerdem die kulturellen Ausprägungen des Machtmotivs in Ländern wie China, Hong Kong, Kamerun und Costa Rica. Warum?

Wir möchten wissen, ob die bekannten Befunde zur Macht auch in nicht-westlichen Kulturen zu finden sind. Damit betreten wir wissenschaftliches Neuland. Wir wollen wissen, wie sich Motive entwickeln und mit welchen Verhaltensweisen sie in einer Kultur einhergehen.

Verhalten sich stark machtmotivierte Chinesen anders?

Ich denke schon. Kulturen unterscheiden sich hinsichtlich dominanter Wertvorstellungen und Verhaltensnormen. Verhaltensweisen, die in einer Kultur sanktioniert werden, sind in anderen Gesellschaften an der Tagesordnung.

Wie darf man in Deutschland Macht ausleben?

Das Ausleben der Sexualität ist in Deutschland eng mit Macht verbunden. Beispielsweise haben machtmotivierte Heranwachsende früher Sexualkontakte. Bei uns darf Sexualität freier gelebt werden, in China ist das anders.

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