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Kommentar: Undurchsichtiges Gerangel um Posten

Dominique Strauss-Kahn, diesen Namen können Sie beruhigt vergessen, denn was sich derzeit in der noch immer nicht bewiesenen Sex-Affäre um den französischen Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) abspielt, hat etwas mit Macht, Psychologie, puren Eigeninteressen und medialen Versuchen zu tun, einen unliebsamen Kandidaten zu beschädigen.

Strauss-Kahn ist je nach Standpunkt und Herkunft, Täter, Opfer oder nur eine Figur im einem Spiel, welches nur die wenigsten Unbeteiligten verstehen. Allerdings müssen sich die Akteure die Frage gefallen lassen, ob sie wirklich nur das Wohl des IWF im Auge haben. Die Franzosen selbst entwickeln bereits eigene Theorien, dass  Strauss-Kahn  gezielt in eine Falle gelockt wurde, um seine absehbare Kandidatur als Nachfolger von Frankreichs Präsident Sarkozy zu verhindern.

Bemerkenswert ist dabei Tatsache, dass bevor ein Schuldeingeständnis oder gar die Schuld von Strauss-Kahn objektiv bewiesen ist, die Nachfolgedebatte begonnen hat. Die Europäer, die traditionell den Chefposten des IWF für sich beanspruchen, verteidigen bereits ihre Pfründe und schicken eigene Kandidaten ins Rennen. Aus guten Grund: Muss Europa doch befürchten, dass die aufstrebenden Schwellenländer wie China, Mexiko, Türkei und Indien sich auf einen eigenen Kandidaten verständigen und so das Postenmonopol aufbrechen könnten.  Dass ein Chinese Chef des IWF wird, scheint aber ausgeschossen, zu stark liegt China mit dem IWF im Streit. So wäre ein Kandidat aus Mexiko oder der Türkei keine Überraschung.

Die derzeitigen Debatten um die wichtigsten Ämter in der Weltwirtschaft, der IWF, die amerikanische Notenbank und die Europäische Zentralbank zeigen vor allem eines auf: Längst spielt die Qualifikation der Amtsinhaber und der möglichen Nachfolgekandidaten eine nur untergeordnete Rolle. Vielmehr sind nationale und regionale Interessen ausschlaggebend dafür, ob und wer welchen Posten bekommt. Dies ist kein Ruhmesblatt für alle Beteiligten, denn in Zeiten einer immer größer werdenden Schuldenkrise aller Nationen und einer steigenden Inflationsgefahr, wäre eine auch personelle Kontinuität sicher von Vorteil. Egal wie man über Strauss-Kahn urteilt, in den letzten Jahren hat sich der IWF-Chef mit seiner erfolgreichen Krisenbewältigungsstrategie Anerkennung verdient.

Kommentator ist Winfried Neun, Geschäftsführender Gesellschafter der Allensbacher K.O.M. GmbH

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